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    So verhältst du dich in Schreinen und Tempeln richtig

    Etikette in Schreinen und Tempeln

    Ein Besuch in Schreinen und Tempeln darf auf keiner Japanreise fehlen. Wer dabei wie ein Profi aussehen möchte, findet hier wichtige Etikette und Regeln.

    Schreine und Tempel wie der Senso-ji in Tokyo oder der Fushimi Inari und der Kiyomizu-dera in Kyoto sind beliebte Touristenattraktionen in Japan. Ein Besuch dieser heiligen Stätten ist eine uralte und wichtige Tradition, bei der es Einiges zu beachten gibt.

    Insbesondere zu Neujahr bilden sich lange Schlangen vor den großen Schreinen und Tempeln, da jeder für gutes Glück im neuen Jahr beten will. Auch abseits der bekannten Sehenswürdigkeiten gibt es in ganz Japan unzählige weitere Tempel und Schreine, oft versteckt in kleinen Seitengassen, selbst in den Großstädten.

    Bei den ganzen Bräuchen und Verhaltensregeln kann man schon einmal schnell überfordert sein. Aus diesem Grund haben wir hier eine kurze Anleitung zusammengestellt, mit der du dich perfekt auf deinen Besuch vorbereiten kannst.

    Überblick

    Der Besuch und das Gebet an einem Schrein oder Tempel wird Omairi genannt bzw. Hatsu-Moude zu Neujahr. Manche Leute behaupten, dass es gierig wirkt und deshalb Unglück bringt, an zu vielen Schreinen und Tempeln zu beten. Das ist allerdings nur ein Mythos, denn jeder Schrein und Tempel steht für seine ganz eigenen göttlichen Tugenden. Du kannst also bedenkenlos so viele beeindruckende Schreine und Tempel besuchen, wie du möchtest!

    Was ist der Unterschied zwischen einem Schrein und einem Tempel?

    Auf den ersten Blick scheint dies eine einfache Frage zu sein, doch sogar manche Japaner können darauf keine Antwort geben. Dabei gibt es zwei gute Merkmale, die dabei helfen, diese zu unterscheiden:

    Schreine besitzen ein einfaches Tor, Torii genannt, das den Übergang zwischen der menschlichen Welt und dem heiligen Boden markiert. Die Eingangstore zu Tempeln hingegen heißen Sanmon und sehen eher wie ein großes Haus aus. In Tempeln befinden sich zudem so gut wie immer buddhistische Bilder und Statuen. Diese treten in Schreinen nicht auf. Zusammenfassend kann man also sagen, dass in Schreinen Götter hausen und in Tempeln Buddhas.

    Wie man einen Schrein besucht

    Verbeuge dich leicht, bevor du den Schrein durch das Torii betrittst, und versuche eher seitlich des Schrein-Weges zu laufen anstatt in der Mitte. Die Mitte des Weges ist für die Götter bestimmt und nicht für die Menschen. Somit zeigst du gleich deinen Respekt.

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    Das Torii bildet in der Regel den Zugang zum Schreingelände (Foto: Lucas Calloch, Unsplash)

    Auf dem Weg zum Schrein wirst du an einem kleinen Pavillon mit einem Wasserbecken vorbeikommen. Dieses wird Chozuya genannt. Bevor du dich dem Hauptschrein näherst, ist es wichtig, dass du dich hier mit dem Wasser spirituell reinigst. Dazu füllst du die Schöpfkelle mit Wasser und gießt ein wenig davon zuerst auf deine linke, dann auf deine rechte Hand. Als Nächstes wäschst du auch deinen Mund, indem du die Kelle in deiner rechten Hand hältst, etwas Wasser in deinen linke gießt und damit deinen Mund ausspülst. Bitte berühre die Kelle nicht direkt mit dem Mund!

    Halte zum Abschluss die Kelle vertikal, damit das Wasser den Griff entlang laufen und ihn reinigen kann. Im Winter kann das Wasser dabei ganz schön kalt sein, trotzdem solltest du alle Schritte ausführen. Falls du dir etwas unsicher bist, schaue den anderen Besuchern des Schreins zu und mache die Schritte nach.

    Sobald du den Schrein erreichst, darfst du nun endlich deinen Respekt zollen. Dieser Vorgang kann in mehrere Schritte unterteilt werden:

    1. Verbeuge dich leicht.
    2. Wirf vorsichtig eine Münze in die Box vor dir. Der Wert der Münze spielt dabei keine Rolle. Nur weil du z.B. eine 500 Yen Münze verwendest, heißt das nicht, dass dein Wunsch eher in Erfüllung geht. Viele Japaner glauben jedoch, dass eine 5 Yen Münze dabei hilft, den richtigen Partner zu finden. Dies leitet sich aus dem Namen Go En ab, welcher gleich ausgesprochen wird wie das japanische Wort für Beziehung.
    3. An einigen Schreinen findest du eine Glocke direkt über der Münzbox. Diese musst du zwei- oder dreimal läuten, um den Göttern zu zeigen, dass du da bist. Sollte keine Glocke da sein, gehe einfach zum nächsten Schritt über.
    4. Danach verbeugst du dich zweimal tief (bis du einen 90-Grad-Winkel erreichst). Einige Japaner verbeugen sich hier jedoch auch leichter, also mach es am besten so, wie du magst und kannst.
    5. Klatsche zweimal in die Hände.
    6. Zolle deinen Respekt und bedanke dich bei den Göttern, während du deinen Wunsch still formulierst.
    7. Verbeuge dich einmal tief zum Abschluss.

    Wie man einen Tempel besucht

    Beim Besuch eines Tempels gelten zunächst die gleichen Regeln wie bei einem Schrein. Man verbeugt sich leicht vor dem Eintritt, läuft entlang der Seiten und reinigt sich beim Chozuya spirituell.

    Erst wenn es dazu kommt, deinen Respekt zu zollen, unterscheiden sich die Abläufe:

    1. Zünde zuerst ein Weihrauchstäbchen an. Diese werden normalerweise vom Tempel zur Verfügung gestellt. Es wird gesagt, dass der Geruch von Weihrauch Nahrung für den Buddha ist. Was du dabei unbedingt beachten solltest: Zünde dein Weihrauchstäbchen auf keinen Fall bei einem anderen Stäbchen an! Dies ist ein Tabu, denn somit würdest du die Sünden der anderen auf dich nehmen und das will man natürlich nicht.
    2. Verbeuge dich leicht.
    3. Wirf vorsichtig eine Münze in die Box vor dir.
    4. Läute die Glocke, falls es eine gibt, zwei- oder dreimal.
    5. Verbeuge dich leicht und zolle deinen Respekt, indem du die Hände vor dir zusammen legst. Hierbei ganz wichtig: Nicht klatschen! Während des Gebets solltest du einen Perlenkranz oder Rosenkranz halten. Und vergiss nicht, dich beim Buddha zu bedanken!
    6. Verbeuge dich leicht.
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    Der Kiyomizudera Tempel (Foto: Gio Almonto, Unsplash)

    Die nächsten Schritte

    An Schreinen kann man sogenannte Ema kaufen. Auf diese kleinen hölzernen Täfelchen kannst du deine Wünsche schreiben und sie danach aufhängen, damit die Götter sie erhalten. Die Ema werden nach einer Weile vom Schrein verbrannt. Viele Touristen nehmen sie jedoch auch gerne als Mitbringsel mit nach Hause. Jeder Schrein hat andere Motive, welche wunderschön anzuschauen sind.

    Hamaya, was so viel bedeutet wie „heilige Pfeile“, gibt es ebenso. Mit diesen schmücken die Japaner gerne ihr Haus, um böse Geister abzuwehren. Auch andere Arten von Omamori oder Amuletten, wie etwa solche für Wohlstand oder bei einem Kinderwunsch, gibt es zu kaufen. Nach einem Jahr bringen viele Japaner diese Amulette wieder zurück, um sich neue für das nächste Jahr zu kaufen. Auch hier werden die alten Omamori verbrannt.

    Shuin, eine Art Erinnerungsstempel, können sowohl bei Schreinen als auch bei Tempeln erworben werden und dienen als Andenken daran, an dieser Stätte gebetet zu haben. Diese kosten immer eine kleine Gebühr und es gibt auch Büchlein, in denen man speziell diese Stempel sammeln kann, was ein tolles Souvenir für Zuhause ergibt.

    Für nur 100 Yen kannst du außerdem oft ein Omikuji kaufen, einen kleinen Papierstreifen mit einer Wahrsagung darauf. Je nachdem, welche Wahrsagung du erhältst, kannst du sie entweder behalten (bei positiver Wahrsagung) oder sie an ein dafür vorgesehenes Seil binden (bei negativer Wahrsagung).

    Indem man die schlechte Vorhersagung anbindet, wird diese relativiert, sodass sich das Pech nicht bei einer Person aufhält. Manche Schreine bieten auch englische Wahrsagungen an, meistens sind sie jedoch auf Japanisch. Google Translate bietet hier z.B. einen Service an, bei dem man einfach die Wahrsagung abfotografieren kann und diese dann übersetzt wird.

    Die möglichen Vorhersagungen sind dabei folgende (geordnet von der besten bis zur schlechtesten):

    • Dai-kichi (大吉) – große Segnung (sehr viel Glück)
    • Chuu-kichi​ (中吉) – mittlere Segnung (mittleres Glück)
    • Sho-kichi (小吉) – kleine Segnung (kleines Glück)
    • Kichi (吉) – Segnung (relativ neutral)
    • Sue-kichi (末吉) – Ende der Segnung (kleines Pech)
    • Kyo (凶) – Fluch (mittleres Pech)
    • Dai-kyo (大凶) – großer Fluch (sehr viel Pech)

    Zusätzlich dazu geben Omikuji Ratschläge für verschiedene Lebensbereiche im nächsten Jahr, wie zum Beispiel Reisen, Beziehungen, Gesundheit und Wünsche.

    Das nächste Mal, wenn du einen japanischen Schrein oder Tempel besuchst, solltest du also nicht nur Fotos machen, sondern kannst auch diesen einfachen Schritten folgen, um deinen Respekt zu zollen.

    Um dich besser in Japan zurechtzufinden, kannst du auch gleich ein paar Redewendungen lernen, die dir behilflich sein können während deines Aufenthaltes.

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