Wie du sicher bleibst

    Erdbeben in Japan

    Der Gedanke an Erdbeben kann beängstigend sein und diese können gerade in Japan öfters mal auftreten. Daher ist es wichtig, gut vorbereitet zu sein, falls es zu dieser Ausnahmesituation kommt.

    Japan liegt auf dem pazifischen „Feuerring“, wo gleich mehrere Erdplatten aufeinandertreffen. Aus diesem Grund treten das das ganze Jahr zahlreiche Erdbeben auf. Einige merkt man kaum bis gar nicht, während andere doch einen bleibenden Eindruck hinterlassen und schnell gefährlich werden können. Von allen Industrieländern ist Japan das Land mit dem höchsten Risiko für Naturkatastrophen, und nachdem sich die Natur nicht zähmen lässt, haben die Japaner gelernt, mit Erdbeben zu leben.

    Erdbeben können an Gebäuden und anderer Infrastruktur erhebliche Schäden anrichten, sodass es zu Ausfällen bei der Strom- und Wasserversorgung kommen kann und auch der Verkehr oft beeinträchtigt wird. Sie können außerdem zu einer erhöhten Aktivität von Vulkanen und in den Küstengegenden zu Tsunamis führen. Die meisten Gebäude in den Städten wurden entsprechend der neusten Sicherheitsstandards errichtet, auf dem Land aber sind viele Holzhäuser besonders gefährdet und die Bewohner dort müssen entsprechende Vorkehrungen treffen.

    Die japanische Skala

    Japan ist weltweit das Land mit der höchsten seismischen Aktivität und hat jährlich etwa 1500 Erdbeben zu verzeichnen, auch wenn die meisten davon kaum wahrnehmbar sind. Hier wird zur Messung der Stärke nicht die gängige Richterskala angewendet, sondern die sogenannte Shindo-Skala, welche die Stärke eines Bebens insgesamt in 10 Stufen einteilt.

    Die Intensität kann von 0 bis 7 reichen, wobei die Stufen 5 und 6 noch einmal in „stark“ und „schwach“ unterteilt werden. Das Tohoku Erdbeben von 2011 wurde in Tokyo beispielsweise als starke 5 registriert. Hier findest du auf Englisch ein paar genauere Informationen zu den einzelnen Stufen.

    Alles über einer Shindo-Intensität von schwacher 5 gilt als stark, wohingegen alles unter 2 als schwach gewertet wird. Durchschnittlich gibt es pro Jahr in Japan ein oder zwei besonders starke Erdbeben (mit einer Shindo-Intensität 6), die Schäden in unterschiedlichem Ausmaß anrichten.

    Welche Regionen sind betroffen?

    Obwohl Erdbeben in ganz Japan häufig auftreten, sind die Sanriku-Region (Aomori, Iwate, Miyagi) und die Präfekturen entlang der Küste am Japanischen Meer (Fukui, Ishikawa, Niigata) historisch gesehen besonders oft von seismischer Aktivität betroffen gewesen.

    Zu den jüngsten starken Erdbeben gehören das Große Hanshin Erdbeben am 17. Januar 1995, das 6434 Todesopfer forderte und in Kobe große Schäden anrichtete, sowie das Tohoku-Erdbeben vom 11. März 2011, das nicht nur über 15000 Menschen das Leben kostete, sondern mit Schäden in Höhe von 235 Mrd. US-Dollar auch die bislang kostenintensivste Naturkatastrophe der Welt war. Der durch das Erdbeben ausgelöste Tsunami verursachte die Katastrophe im Atomkraftwerk von Fukushima.

    Es wird erwartet, dass die Regionen Kanto und Tokai innerhalb der nächsten Jahrzehnte von einem starken Erdbeben getroffen werden. Auch deshalb sind geeignete Vorkehrungen gegen Erdbeben sowohl bei den Bewohnern als auch bei Japans Industrie von hoher Bedeutung.

    Verhalten bei einem Erdbeben

    Vorkehrungen

    Um bestens vorbereitet zu sein, solltest du dich über die ausgewiesenen Evakuierungszonen in deiner Gegend (Hinanjo) informieren und schauen, wie man am schnellsten dorthin gelangt. Normalerweise werden Schulen oder Parks als Evakuierungsorte gewählt.

    Bereite eine Notfalltasche vor, falls es zur Evakuierung kommen sollte, oder deine Umgebung von Ausfällen der Strom- und Wasserversorgung betroffen ist. Dies ist insbesondere wichtig, wenn du in Japan wohnst. Hier solltest du Folgendes einpacken:

    • Wasserflaschen (Vorrat für ein paar Tage)
    • Decken
    • Taschenlampen + Batterien
    • Ladegeräte/ externe Akkus
    • Radio
    • etwas Geld
    • unverderbliches Essen (Vorrat für ein paar Tage)
    • Dosenöffner
    • Erste-Hilfe (Medizin, Verbände, usw.)
    • Ausweisdokumente und Reisedokumente, wenn du nicht in Japan wohnst
    • Stift & Notizbuch (schreibe dir wichtige Kontaktinformationen auf – Telefonnummern von Familie, Freunden, der Botschaft usw.)

    Stelle sicher, dass Möbel und andere Gegenstände stabil stehen und platziere unbefestigte Gegenstände weiter unten, damit sie nicht auf dich drauf fallen können. Türen und mögliche Feuerquellen sollten von Gegenständen freigehalten werden, und große Objekte sollten zusätzlich gesichert werden, damit sie im Ernstfall nicht umstürzen. Da japanische Wohnungen doch eher kleiner sind, kann dies sehr schnell gefährlich werden.

    Erdbeben japan Sicherheit Ratgeber
    Richtiges Verhalten verschafft einem selbst und anderen Sicherheit (Foto: Jametlene Reskp, Unsplash)

    Während eines Erdbebens

    Sobald du ein Erdbeben bemerkst oder über eine Frühwarnung alarmiert wirst, schalte so schnell wie möglich alle Gasgeräte ab, um ein Feuer zu verhindern. Außerdem solltest du Schutz suchen, am besten unter einem Stuhl oder Tisch. Auch der Bereich unter Türen oder in der Nähe von Säulen gilt als relativ sicher. Bedecke deinen Kopf und Nacken mit einem Kissen oder deinen Händen. Halte dich von den Fenstern und größeren, instabilen Vorrichtungen fern. Versuche vor allem, ruhig zu bleiben und nicht in Panik zu verfallen.

    Wenn du dich gerade im Freien aufhältst, gehe in die Hocke und schütze deinen Kopf und Nacken mit einer Tasche oder deinen Händen. Halte dich von Fenstern, der Küste und Flüssen fern und schaue generell, dass du dich in einem Bereich befindest, wo nichts auf dich stürzen kann von oben.

    Wenn du dich in einem öffentlichen Verkehrsmittel aufhältst, nimm die gleiche schützende Position ein und folge den Anweisungen der Angestellten. Wenn du gerade im Auto unterwegs bist, halte an einem sicheren Ort an und bleibe im Wagen sitzen. Schalte den Motor aus und halte dich mit dem Radio auf dem Laufenden.

    Wenn dieser Bereich evakuiert wird, verlasse das Auto und lasse die Türen dabei offen und die Schlüssel stecken, damit die Rettungsdienste die Straße im Notfall leichter freiräumen können. Generell gilt auch: wenn es eine Tsunamiwarnung gibt, begib dich unverzüglich in die ausgewiesene Evakuierungszone oder in höher gelegene Gebiete.

    Auch wenn die meisten Erdbeben nicht länger als 10 Sekunden dauern, solltest du mehrere Minuten in der vorher beschriebenen sicheren Position verbleiben, denn Gegenstände können immer noch herunterfallen und Schaden anrichten. Zudem kann es bei größeren Vorfällen auch zu Nachbeben kommen.

    Du kannst einem Erdbeben nicht davonlaufen, also vermeide unnötige Bewegung. Je stärker das Beben, desto schwieriger wird es ohnehin, sich vorwärts zu bewegen. Bleibe innerhalb von Gebäuden, es sei denn du wirst zur Evakuierung aufgefordert.

    Benutze bei einer Evakuierung keine Aufzüge, denn Nachbeben könnten dazu führen, dass du darin eingeschlossen wirst. Wenn es schon zu spät ist und du feststeckst, betätige den Notfallknopf. Dieser ist normalerweise deutlich mit einem Telefon-Symbol markiert. So kannst du den Rettungsdienst kontaktieren. Viele Aufzüge sind außerdem mit einer Notfallbox ausgestattet, die Vorräte für mehrere Stunden enthält.

    In Kontakt bleiben

    Während des Tohoku Erdbebens spielten soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter und LINE eine große Rolle dabei, die Sicherheit von Freunden und Verwandten zu überprüfen, und Skype ermöglichte zusätzlich eine verbale Kommunikation.

    NTTs Disaster Message Service ist eine analoge Methode, die vor allem dann nützlich ist, wenn Daten- und WiFI-Verbindungen aufgrund der hohen Auslastung ausfallen. Folge diesen Schritten, um eine Nachricht zu senden oder zu erhalten, oder schaue in der von NTT bereitgestellten Anleitung nach:

    So hinterlässt du eine Nachricht:

    • Wähle 171, dann drücke die 1, um „Aufnehmen“ auszuwählen.
    • Wähle die Nummer der anderen Person.
    • Drücke 1, #, nimm deine Nachricht auf, drücke 9, dann # um die Aufnahme zu speichern.

    So überprüfst du, ob eine Nachricht für dich hinterlassen wurde:

    • Wähle 171, dann drücke die 2, um „Wiedergabe“ auszuwählen.
    • Wähle die Nummer der Person, die dir eine Nachricht hinterlassen haben könnte.
    • Drücke 1, #, und höre dir die Nachricht an.

    Softbank und AU bieten ähnliche Nachrichtenservices im Katastrophenfall an.

    Erdbeben
    Gerade für den Ernstfall sollte man vorbereitet sein (Foto: Jose Antonio Gallego Vázquez, Unsplash)

    Zugang zu aktuellen Informationen

    Der Fernsehsender NHK (Kanal 1) ist Japans nationaler öffentlicher Fernsehsender und sendet jede volle Stunde aktuelle Nachrichten. Mit der Fernsehtastatur kann man es auch so einstellen, dass man einen englischen Kommentar erhält und somit bestens informiert bleibt. Der entsprechende Radiosender NHK Radio 1 liegt auf der Frequenz 594 AM.

    Der Wetterbericht und aktuelle Wetterinformationen können mit dem Telefon unter der Nummer 177 abgehört werden (nur auf Japanisch).

    Das MegaNet ist Japans einziges Netzwerk mehrsprachiger Radiostationen und bietet 10 Sprachen an (Englisch, Japanisch, Koreanisch, Chinesisch, Tagalog, Thailändisch, Indonesisch, Spanisch, Portugiesisch und Französisch). Alle öffentlichen Ankündigungen werden auf diesen Sprachen gesendet. Die MegaNet Stationen sind:

    • InterFM (Kanto Region)—76.1 FM oder 89.7 FM, 76.5 FM in Kanagawa
    • InterFM Nagoya (Nagoya & Umgebung)—79.5 FM
    • FM Cocolo (Osaka, Hyogo, Kyoto, Nara)—76.5 FM
    • Love FM (Fukuoka & Saga)—76.1 FM, 82.5 FM im Westen Fukuokas, 82.7 FM in Kita-Kyushu

    Auf der Webseite der japanischen Wetterbehörde kannst du zudem aktuelle Informationen zu Erdbeben erhalten und auch der folgende Twitter Account stellt neuste Informationen rund um dieses Thema zur Verfügung: Japan Earthquakes.

    Nützliche Apps

    Viele japanische Handys haben eine App zur Erdbeben-Frühwarnung bereits vorinstalliert, da selbst einige Sekunden möglicherweise über Leben und Tod entscheiden können. So wird man um die 10 Sekunden vorher informiert, wenn es zu einem Erdbeben kommt.

    Diese Warnungen haben z.B. auch vielen Menschen während des Tohoku Erdbebens das Leben gerettet. Wir haben hier eine Auswahl an hilfreichen Smartphone-Apps für dich zusammengestellt. Am besten lädst du sie schon vor deiner Reise als Vorsichtsmaßnahme herunter.

    • Safety Tips (iPhone / Android) – Empfängt Erdbeben-Frühwarnungen und Tsunami-Warnungen, gibt Tipps, wie du dich bei einem Erdbeben richtig verhalten sollst, und stellt während einer Katastrophe wichtige Informationen zur Verfügung.
    • Yurekuru (iPhone) – Eine App, die durch Push-Nachrichten Erdbebenwarnungen und die erwartete Stärke anzeigt.
    • Earthquake Alert (Android) – Zeigt Informationen zu weltweiten Erdbeben.
    • Twitter (Android / iPhone / Windows Phone) – Nicht nur nützlich, um deine Follower wissen zu lassen, dass du in Sicherheit bist. Viele Organisationen unterstützen Twitter-Warnungen, sodass Abonnenten in Echtzeit wichtige Informationen erhalten. Allerdings sind diese Angebote aktuell nur auf Japanisch verfügbar.

    Nun weißt du bestens, wie du dich im Notfall zu verhalten kannst und was zu tun ist, wenn in deiner Nähe ein Erdbeben auftritt. Bewahre einen kühlen Kopf, um dich optimal zu schützen.

    Informationen zu Taifunen in Japan, wann sie auftreten können und wie du dich in einem solchen Fall richtig verhältst, findest du in unserem Ratgeber zu Taifunen in Japan.

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