HomeJapan erlebenÜbernachtenRyokan - traditionelle Unterkünfte in Japan

    Alles über die japanischen Übernachtungsmöglichkeiten

    Ryokan – traditionelle Unterkünfte in Japan

    Ryokan sind traditionelle Unterkünfte in Japan, die einen einmaligen Einblick in die japanische Kultur geben. Was man dabei beachten sollte, findet sich hier.

    Wer in Japan reist, findet sich mit einer großen Auswahl an Übernachtungsmöglichkeiten konfrontiert. Eine besonders authentische Art zu nächtigen bieten die sogenannten Ryokan, traditionell eingerichtete japanische Hotels. Sie bieten auf jeder Reise eine besondere Erfahrung und die Möglichkeit, japanische Kultur hautnah zu erleben. Oftmals zögern Reisende bei der Buchung einer solchen Unterkunft. In der Regel liegt das am Glauben, das Schlafen auf Tatami Matten sei unbequem oder an der Angst, bei so vielen kulturellen Unterschieden etwas falsch zu machen.

    Im Folgenden finden sich daher alle Informationen zum Übernachten in Ryokan, sodass einer solchen Erfahrung nichts mehr im Wege steht.

    Geschichte der Ryokan

    Wörtlich bedeutet Ryokan (jap. 旅館) etwa so viel wie „Reisegasthaus“, auch wenn diese Unterkünfte ursprünglich gar nicht so genannt wurden. Denn bereits im 8. Jahrhundert gab es einfache Gasthäuser dieser Art, die allerdings die Bezeichnung fuseya trugen und Reisenden meist kostenlos eine Übernachtungsmöglichkeit boten. Primär übernachteten hier Menschen auf Pilgerreisen oder Kranke, die Heilung in heißen Onsen Quellen suchten.

    In der Edo Zeit entwickelte sich schließlich der Begriff Ryokan für qualitativ hochwertigere Unterkünfte. Etabliert wurde diese Bezeichnung aber erst ab den 1950er Jahren, als Unterkünfte in Japan gesetzlich in westlich eingerichtete Hotels, japanisch eingerichtete Ryokan und andere, einfache Beherbergungsbetriebe eingeteilt wurden. Heute findet man unzählige Ryokan in Japan, die von einfachen Gasthäusern bis zu luxuriösen Unterkünften reichen. In der Regel verfügen sie im Vergleich zu westlichen Hotels über deutlich weniger Zimmer (schon allein aufgrund der traditionellen japanischen Bauweise, die selten mehr als zwei Stockwerke aufweist) und sind meist Familienbetriebe.

    Traditionelle Kochstelle in einem Ryokan - heute nur mehr Dekoration.
    Traditionelle Kochstelle in einem Ryokan – heute nur mehr Dekoration. Foto: Nicole Kirchmeyr

    Ausstattung in einem Ryokan

    Ryokan Unterkünfte sind in der Regel traditionell japanisch ausgestattet. Die Gebäude selbst haben selten mehr als zwei Stockwerke und bestehen klassisch vor allem aus Holz. In der Regel gibt es einen großzügigen Eingangsbereich, bei klassischen Exemplaren vor allem ebenfalls mit Holzdielen und oftmals mit einer traditionellen Feuerstelle (diese wird heutzutage nicht mehr genutzt, sondern dient als Dekoration), in moderneren gelegentlich auch mit Teppichboden.

    Die Zimmer selbst sind mit Reisstrohmatten (sogenannten Tatami) ausgelegt, oft gibt es mit Papier beklebte Schiebetüren (Shoji), mit denen man teilweise den Raum teilen kann, meist aber sind sie vor allem an den Fenstern zu finden und dienen als Dekoration. Beinahe jedes traditionell japanische Zimmer beherbergt zudem eine kleine Nische, den sogenannten Tokonoma. Dieser leicht erhöhte Bereich an einer der Wände ist meist mit Blumengestecken, Vasen oder Kalligrafie verziert. Er ist KEINE Ablagefläche und man sollte hier demnach kein Gepäck oder sonstiges deponieren.

    Die Zimmer sind in der Regel sehr groß, dafür aber sehr spärlich eingerichtet. Oftmals befindet sich nur ein großer niedriger Tisch im Raum. Auf diesem ist meist ein Heißwasserspender und Tee sowie Teegeschirr zu finden, bei dem man sich selbst bedienen kann. Zudem steht vielfach eine kleine regionale Süßigkeit bereit.

    Klassische Einrichtung mit Tatami Matten.
    Klassische Einrichtung mit Tatami Matten. Foto: Nicole Kirchmeyr

    Geschlafen wird auf sogenannten Futon Matratzen, die abends auf den Tatami ausgerollt werden. Entgegen aller Erwartungen ist dies tatsächlich meist sehr bequem, allerdings hängt die Dicke der Matratzen auch oft vom Standard der Unterkunft ab – teure Ryokan bieten in der Regel sehr dicke Matratzen, bei günstigeren sind sie etwas dünner. Klassische und ältere Gasthäuser bieten ausschließlich diese Art von Zimmern an, bei neueren jedoch findet man mittlerweile vielfach auch westlich-japanische Zimmer. Bei diesen gibt es zwar ebenfalls Tatami Matten, zudem aber auch einen Bereich mit westlichen Betten – oftmals mit Futon-Optik. Einige Ryokan haben sogar rein westliche Zimmer, diese sind aber dann oft wesentlich kleiner und weit weniger traditionell eingerichtet.

    Wichtig zu wissen ist, dass viele Zimmer über kein eigenes Bad verfügen, manchmal noch nicht einmal über eine eigene Toilette. Traditionell wird eine Gemeinschaftstoilette und ein Gemeinschaftsbad genutzt, klassisch sind diese nach Geschlechtern getrennt, in ganz kleinen Ryokan allerdings manchmal nicht. Das mag für viele Reisende zunächst sehr ungewöhnlich sein, ist aber die traditionelle Art, in Ryokan zu übernachten. Vielfach bieten die Unterkünfte unterschiedliche Zimmer an, angefangen vom schlichten Raum, über ein Zimmer mit eigener Toilette bis hin zu Räumlichkeiten inklusive eigenem Bad. Entsprechend der Ausstattung erhöhen sich dabei die Preise für eine Übernachtung.

    Beinahe alle traditionellen Gasthäuser besitzen einen Onsen oder zumindest ein Sento (eine Badeinrichtung, in der das Wasser nicht aus einer heißen Quelle stammt, sondern erhitzt wird, und dem damit die in Onsen üblichen Mineralien fehlen). Diese sind kostenlos für Übernachtungsgäste nutzbar, man kann sich dort waschen und entspannen. In den Waschräumen findet man Shampoo und Duschgel, die Verhaltensregeln entsprechen den Etiketten in Onsen. Einige Unterkünfte bieten auch private Onsen an, die man für eine gewisse Zeit kostenpflichtig mieten kann.

    Viele Ryokan bieten ihren Gästen auch heiße Onsen Quellen.
    Viele Ryokan bieten ihren Gästen auch heiße Onsen Quellen. Foto: Nicole Kirchmeyr

    Beinahe in jeder Unterkunft dieser Art gehören Yukata zur Ausstattung. Dieses Gewand kann im Zimmer, aber auch außerhalb getragen werden und die Japaner*innen nutzen es gerne auf dem Weg in den hoteleigenen Onsen, manchmal auch zum Essen im hoteleigenen Essensraum. Pauschal könnte man sagen, er entspricht in mancher Hinsicht einem westlichen Bademantel, allerdings ist er auch außerhalb des Zimmers eine akzeptable Bekleidung. Viele Unterkünfte erlauben das Tragen allerdings nicht im hoteleigenen Restaurant, vor allem, wenn dieses westlich ist.

    Auch Handtücher finden sich im Zimmer, oftmals ein großes Badetuch sowie ein kleines Handtuch, das in der Regel mit in den Onsen genommen wird. Je nach Ryokan liegen auch Zahnbürsten, Haarbürsten oder Duschutensilien bereit.

    Wichtig zu wissen: In vielen Unterkünften ist Rauchen noch immer erlaubt und es gibt vielfach Raucherzimmer. Im Zweifelsfall sollte man vorher fragen.

    Aufenthalt und Etikette

    Die generellen Etikette in Ryokan sind leicht zu beachten und schnell zu durchschauen, sodass sich Reisende nicht fürchten müssen, unabsichtlich gegen (ungeschriebene) Regeln zu verstoßen.

    Die wichtigste zu beachtende Verhaltensregel ist das Tragen (oder vielmehr das Nicht-Tragen) von Schuhen. Das gilt in Japan vielfach nicht nur für traditionelle Unterkünfte, sondern allgemein für japanische Gebäude. Grundsätzlich gilt: Tatami Matten betritt man ausschließlich ohne Schuhe. Das bedeutet jede Art von Schuhwerk, inklusive Hausschuhe oder Pantoffeln. Oft betritt man das Ryokan selbst nicht mit Straßenschuhen, sondern zieht diese am Eingang aus und stellt sie in dafür vorgesehene Schuhregale. Oft werden Hausschuhe zur Verfügung gestellt, mit denen man sich innerhalb der Unterkunft fortbewegt, in den Zimmern und auf Tatami-Böden werden dann auch diese ausgezogen.

    Wem das erstmal sehr kompliziert erscheint, dem sei versichert, dass die freundlichen Angestellten in der Unterkunft sehr gerne darauf hinweisen. Als Faustregel kann man außerdem sagen, dass eine deutliche Schwelle sehr oft darauf hinweist, hier die Schuhe auszuziehen: Befindet sich oberhalb der Schwelle Tatami, ist es ohnehin eindeutig, aber auch Holzboden darf häufig nicht mit Schuhen oder zumindest nicht mit Straßenschuhen betreten werden.

    Die traditionelle Fassade der Unterkunft.
    Traditionelle Fassade. Foto: Kiyo Ryokan

    Je nach Unterkunft kann das Einchecken unterschiedlich verlaufen. Entweder wird man schon am Eingang begrüßt und begleitet oder man geht selbst zur Rezeption, wie man es von westlichen Hotels gewohnt ist. In der Regel erklärt das Personal dann einige Einrichtungen und Services, entweder in einem Warteraum oder auf dem Zimmer. Zudem ist es üblich, dass man zur Begrüßung eine Tasse Tee und eine kleine Süßigkeit erhält.

    Traditionelle japanische Unterkünfte leben von ihrem Service, der meist überdurchschnittlich gut ist und ausländische Besucher*innen schnell einmal an die Feudalzeit erinnert. So kann es durchaus sein, dass das Personal Gäste mit einer tiefen Verbeugung begrüßt oder beim Betreten sogar ein Gong geschlagen wird.

    Die japanischen Futon Betten werden in der Regel von den Angestellten ausgebreitet. Dies geschieht entweder kurz nach dem Abendessen (wenn dieses im Raum selbst stattfindet) oder während man außerhalb zu Abend ist. Morgens werden die Betten dann nach oder während des Frühstücks wieder aufgeräumt. In günstigeren Unterkünften, bei denen keine Verpflegung vorgesehen ist, breitet man die Futon dagegen selbst aus.

    Verpflegung in Ryokan

    Viele Ryokan bieten Verpflegung an (üblicherweise Frühstück und Abendessen), was normalerweise bereits im Preis inbegriffen ist, allerdings kann man auch nur die Zimmer ohne Essen reservieren. Meistens lohnt sich das Essen in der Unterkunft vor allem dann, wenn sich diese außerhalb von großen Städten oder gar in einem Onsen Ort befindet, denn oftmals hat man sonst am Abend keine Möglichkeit, auswärts zu essen.

    Frühstück gibt es je nach Unterkunft in verschiedenen Varianten. Gelegentlich in Form von Buffets, an denen man sich westliche oder japanische Speisen nehmen kann. Oftmals aber findet man hier feste Menüs, die von schlichten Varianten mit Reis, Miso Suppe, ein wenig Gemüse und Fisch bis hin zu aufwändigen Kreationen im kaiseki Stil (Menü mit vielen kleinen Gängen) reichen können. Zwar ist ein derartiges Frühstück für westliche Gaumen oft gewöhnungsbedürftig, allerdings sollte man es im Rahmen eines Ryokan-Aufenthaltes unbedingt einmal probieren.

    Frühstück im Kaiseki-Stil.
    Frühstück im Kaiseki-Stil. Foto: Nicole Kirchmeyr

    Abendessen wird fast immer im kaiseki Stil serviert und sollte unbedingt einmal ausprobiert werden. Denn in der Regel werden hier lokale und saisonale Zutaten in Perfektion zubereitet und liebevoll dekoriert serviert, sodass das Essen ein absolutes Erlebnis ist. Die einzelnen Komponenten sind oft sehr klein, aber es werden viele unterschiedliche Gänge serviert, sodass man auf jeden Fall satt wird.

    Das Essen wird entweder direkt auf dem eigenen Zimmer serviert oder in einem Speisesaal. Darüber wird man beim Einchecken informiert, häufig kann man dabei dann auch die entsprechende Uhrzeit auswählen. In der Regel gibt es ein festes Menü für alle und man kann hier nicht von einer Speisekarte wählen.

    Menschen mit bestimmten Ernährungsweisen oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten sollten dringend im Vorfeld (am Besten bei der Buchung) anfragen, ob das Menü entsprechend geändert werden kann.

    Manche große Ryokan beherbergen zudem ein eigenes Restaurant, in welchem man dann à la carte bestellen kann. Wie bereits erwähnt ist das Tragen von Yukata dort meist nicht gestattet.

    Preise und Buchung

    Wichtig beim Buchen eines Ryokan ist die Zusammensetzung der Preise. So ist es hier üblich, Preise nicht pro Zimmer, sondern pro Person zu berechnen. Da in den Zimmern Futon ausgebreitet werden, wird hier oft nicht zwischen Zimmertypen unterschieden. Die meisten Zimmer sind für ein bis vier Personen ausgelegt, es gibt aber auch größere, beziehungsweise Familienzimmer.

    Zudem richtet sich der Preis wie bereits erwähnt vielfach nach der Ausstattung (mit Toilette, mit Bad) und dem hinzugebuchten Essen. Gerade bei direkten Buchungen sollte dies im Vorfeld beachtet werden, damit später keine unangenehmen Überraschungen entstehen. Auch wenn die Preise von der Ausstattung abhängen, kann man generell sagen, dass Ryokan im Vergleich zu westlichen Unterkünften meist teurer sind – und das bei vergleichsweise oft weniger Luxus (Gemeinschaftsbad, etc.). Das liegt vor allem an den vielfach familiengeführten Einrichtungen und dem meist sehr hochwertigen Essen.

    Buchen kann man die Unterkünfte direkt über deren Website, eine Übersicht findet sich beispielsweise auf dem japanischen Ryokan-Verband. Aber auch die üblichen Buchungsplattformen bieten mittlerweile mehr und mehr derartige Unterkünfte an.

    Wer also bei einer Reise eine authentische Unterkunft sucht und sich auf diese Weise intensiv mit der japanischen Kultur befassen möchte, der sollte auf jeden Fall zumindest eine Nacht in einem Ryokan verbringen. Mehr Informationen finden sich bei der Übersicht der Unterkünfte.

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