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    Günstige Unterkunft und Manga Comics

    Manga Cafés in Japan

    Manga Cafés haben weit mehr zu bieten als nur Comics. Für Reisende mit geringem Budget und wenig Ansprüchen sind sie eine günstige Alternative zu Hotels.

    Manga Cafés oder auch Manga Kissa (漫画喫茶, Kissa ist die Abkürzung für Kissaten, was Café bedeutet) gibt es in dieser Form nur in Japan, und das liegt nicht nur an den typisch japanischen Comics. Denn neben einer Vielzahl an verschiedensten Manga und Zeitschriften können hier einzelne Kabinen mit Computern ähnlich wie bei einem Internet Café gemietet werden, und nicht selten werden diese Räume als eine kostengünstige Schlafgelegenheit verwendet.

    Alle, die an Manga Cafés und eventuell an einer Übernachtung dort interessiert sind, finden im Folgenden einige hilfreiche Informationen.

    Was sind Manga Cafés?

    Das Wort Manga Café trägt einen der Hauptbestandteile dieser Einrichtungen schon im Namen: Manga, japanische Comics. Und tatsächlich können meist schon vom Eingangsbereich aus lange Regalreihen voller bunter Manga und Zeitschriften entdeckt werden, die nach der Buchung eines entsprechenden Paktes durchstöbert und am Platz gelesen werden können.

    Doch wer nun an ein gemütliches Kaffeehaus oder einen westlichen Coffeeshop mit sehr viel Lesestoff denkt, wird womöglich enttäuscht sein. Kaffee gibt es zwar auch, allerdings eher in Form eines Selbstbedienungs-Automaten an einer Drink-Bar, und die nummerierten, eher schlicht gehaltenen Sitzplätze sowie die Abrechnung nach Zeit lassen schnell vermuten, dass die Zielgruppe von Manga Cafés nicht unbedingt Personen auf der Suche nach einer gemütlichen Tasse Kaffee sind.

    Neben den Sitzplätzen und den vielen Manga gibt es im hinteren Bereich der Manga Kissas nämlich einen weitaus größeren Bereich mit lose abgetrennten Kabinen, die ebenfalls für einen bestimmten Zeitraum gebucht werden können. WLAN gehört mittlerweile zum Standard, und in jeder Kabine steht ein PC zur Verfügung, auf dem Spiele gespielt oder (nicht unbedingt jugendfreie Videos) konsumiert werden können – die Grenzen zwischen Manga Cafés und Internet Cafés sind in Japan oft fließend.

    Die einzelnen Kabinen gibt es üblicherweise in zwei Varianten: einmal mit einem Bürostuhl und einmal mit Matten ausgelegt, was oft als „flat“ bezeichnet wird und auf denen es sich mit den kostenlos ausleihbaren Decken durchaus schlafen lässt. Zusätzlich zu den Kabinen und den Sitzplätzen bieten viele Manga Cafés auch noch weitere Bereiche wie Räume für Karaoke oder Darts an.

    Matten zum Schlafen - für große Personen eher schwierig
    Matten zum Schlafen – für große Personen eher schwierig. Foto: Natascha Machner

    Eine günstige Alternative zu Hotels

    Manga Kissas gibt es in allen großen Städten und auch an vielen Orten abseits der touristischen Gegenden in ganz Japan. Sie haben in der Regel 24 Stunden lang geöffnet, die Rezeption ist immer besetzt und ein „Einchecken“ ist jederzeit möglich. Die Abrechnung erfolgt nach Stunden und es gibt spezielle „Night-Packs“ für die Nacht, die günstiger sind und je nach Lokal um die 8 Stunden beinhalten.

    Die Ankunftszeit wird auf der Rechnung gemeinsam mit der Kabinen-Nummer ausgewiesen, und wer länger bleibt muss Gebühren nachzahlen. Es lohnt sich also, sich die gewünschte Stundenanzahl vorher zu überlegen, weil die Nachzahlungen schnell teurer werden als das nächst-längere Paket. Die Preise sind dabei abhängig von der Lage und der Ausstattung, bewegen sich aber üblicherweise um die ¥1.800 (umgerechnet ca. 15 Euro) für das Nacht-Paket. Viele Anbieter verlangen eine einmalige Registrierungs-Gebühr, meist um die ¥350 (ca. 3 Euro), und stellen dabei eine Mitgliedskarte aus. Beim Besuch eines Standortes der gleichen Kette kann durch Vorlage dieser Karte also noch einmal gespart werden.

    Eine Übernachtung in einem Manga-Café ist unkompliziert und günstig und gerade für spontane Aufenthalte eine interessante Alternative zu Hotels. Allerdings sollte man sich im Klaren darüber sein, dass hierfür Abstriche im Komfort gemacht werden müssen.

    Die Kabinen sind an japanische Verhältnisse angepasst, also eher klein gehalten. Große Personen könnten es dabei etwas schwer haben, komfortabel zu liegen. Und obwohl die Kabinen meistens sauber sind, erinnern die glatten Liegematten ein wenig an den Turnunterricht und sind sicher nicht für jeden etwas. Allerdings sind die ausleihbaren Decken nicht auf eine Anzahl begrenzt, man kann hier also durchaus mit diesen ein wenig nachbessern.

    Wer viel Wert auf Privatsphäre legt, wird mit Manga Kissas wohl ebenfalls nicht warm werden. Die Kabinen sind nur durch dünne Holzwände getrennt, die nicht einmal bis zur Decke reichen. Es ist also möglich, dass jemand aus der benachbarten Kabine herüberblicken könnte, auch wenn das so gut wie nie passiert.

    Die anderen Gäste verhalten sich meist ruhig und sind darauf bedacht, niemanden zu stören. Trotzdem kann es vermutlich nicht schaden, sich Ohrstöpsel mitzunehmen, und oft können diese sogar neben Zahnbürsten und anderen Hygieneartikeln an der Rezeption erworben werden. Wer lieber mehr Privatsphäre hat, findet hier eine allgemeine Übersicht über Unterkünfte in Japan.

    Die Kabinen sind nur lose abgetrennt
    Die Kabinen sind nur lose abgetrennt. Foto: Natascha Machner

    Ausstattung und Unterschiede

    Neben den oben genannten Kabinenarten und Sitzplätzen kann die Ausstattung der Manga Café je nach Standort und Anbieter variieren. Manche bieten zusätzlich komplett abgetrennte Räume an, die teurer sind, dafür aber – anders als die Kabinen – abgeschlossen werden können und somit echte Privatsphäre ermöglichen. Üblicherweise sind auch diese Räume mit Matten ausgestattet – ein Bett wird man hier also ebenfalls nicht finden.

    Oft gibt es für die Kabinen einen Raucher- und einen Nichtraucher-Bereich, wer also gerne ohne Zigarettengeruch schlafen möchte, sollte darauf beim Einchecken achten. Eine Trennung nach Geschlechtern gibt es dort hingegen nicht, dafür aber bei den Toiletten, die so gut wie immer sehr sauber sind. Manche Manga-Cafés verfügen außerdem über Duschen und einige wenige sogar über Waschmaschinen, die beide gegen eine Gebühr benutzt werden können.

    Die meisten Manga-Cafés stellen außerdem eine Drink-Bar zu Verfügung, wo kostenlos (Instant-)Kaffee, Softdrinks und manchmal auch Soft-Eis konsumiert werden können. In der Früh bieten manche sogar gratis „Frühstück“ in Form von Toast und Pommes an – nicht unbedingt das übliche Frühstücksbuffet, aber auf jeden Fall ein Erlebnis für Abenteuerlustige! Alternativ können durchgehend meist kleine, einfache Speisen und alkoholische Getränke zu günstigen Preisen bestellt werden.

    Drink-Bar in einem Manga Café
    Drink-Bar in einem Manga Café. Foto: Natascha Machner

    Fazit

    Manga Cafés sind sicherlich ein spannendes Erlebnis für Japanreisende. Wer es lediglich einmal ausprobieren möchte, kann sich für eine Stunde einen Sitzplatz mieten und in den Manga und Zeitschriften stöbern (obwohl der Großteil natürlich auf Japanisch ist).
    Gerade für anspruchslose Reisende, die spontan eine günstige Übernachtungsmöglichkeit suchen, können Manga Kissas aber durchaus eine interessante Alternative zu Hotels sein. Auch für Back- oder Bikepacker bieten die Manga Cafés ein sicheres Dach über dem Kopf an Regentagen oder während eines Taifuns. Meistens stehen sogar einige Abstellplätze für Fahrräder oder Motorräder zur Verfügung.

    Natürlich ist der Komfort und die mangelnde Privatsphäre nicht für jeden etwas, doch wer damit kein Problem hat, sollte auf seiner oder ihrer Reise durchaus einmal eine Übernachtung in einem Manga Kissa ausprobieren. Eine weitere günstige Alternative bietet auch ein Japanurlaub mit einem eigenen Camper.

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