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    Weihnachtstraditionen im Land der aufgehenden Sonne

    Weihnachten in Japan

    Weihnachten in Japan wurde nach westlichem Vorbild übernommen, bietet aber eine Reihe von ungewöhnlichen Bräuchen und Traditionen.

    Wer Weihnachten in Japan verbringt, wird schnell feststellen, dass die Festlichkeiten hier ganz anders sind, als man es beispielsweise aus Deutschland gewohnt ist. Angesichts der Tatsache, dass gerade mal 1 % der japanischen Bevölkerung sich zum Christentum bekennt, ist dies auch nicht verwunderlich. Der christliche Hintergrund ist den meisten Japaner*innen dabei auch nicht bewusst, vielmehr wurde Weihnachten vor allem aus kommerziellen Gründen aus den USA übernommen, ganz ähnlich wie Halloween.

    In Japan ist Weihnachten damit auch kein offizieller Feiertag und sowohl Heiligabend als auch der 25. und 26. Dezember sind hier normale Arbeitstage. Nichtsdestotrotz lassen es sich die Japaner*innen nicht nehmen, für ausreichend weihnachtliche Stimmung zu sorgen. Im Laufe der Jahre hat sich dabei eine Reihe von Bräuchen und Traditionen entwickelt, die vielleicht überraschen, auf jeden Fall aber sehr interessant sind:

    Weihnachtsbeleuchtung

    Weihnachts- oder Winterbeleuchtungen, sogenannte Illuminations, erfreuen sich in Japan immer größer werdender Beliebtheit. Dabei verwandeln sich Einkaufszentren, Straßenzüge und sogar ganze Parks in ein Meer aus Lichtern und sorgen damit für weihnachtliche Stimmung. In der Regel finden die Winter Illuminations von November bis Dezember statt, aber einige beginnen bereits im Oktober und bleiben bis Februar.

    Besinnlichkeit sucht man dabei allerdings häufig vergebens, auch wenn viele Lichtinstallationen sogar mit Musik untermalt sind und somit für Stimmung sorgen. Die Christmas Illuminations in den Kaufhäusern sind größtenteils kostenlos, für die großen Installationen in Parks oder Freizeitparks dagegen muss man in der Regel Eintritt zahlen, dafür werden hier aber auch riesige Kunstwerke aus tausenden bunten LED-Lichern geboten.

    Lichtermeer an Weihnachten in Japan.
    Lichtermeer an Weihnachten in Japan. Foto: Okinawa City

    Auch bei den Beleuchtungen findet sich der Ursprung vor allem in den USA, mittlerweile aber sind die Illuminations ein fester Teil von Weihnachten in Japan. Nicht immer haben sie ausschließlich weihnachtliche Motive, stattdessen findet man auch Themen wie Jahreszeiten oder japanische Populärkultur in den Beleuchtungen.

    Allerdings findet man bunte Weihnachtsbäume, Schneemänner und Weihnachtsmänner dennoch überall und für ausreichend Dekoration sorgen auch die japanischen Geschäfte, in denen man allerlei Dinge für Weihnachten zu Hause findet. Nicht alle Japaner*innen schmücken ihre Wohnungen oder Häuser, aber bei Familien mit Kindern wird das Thema vielfach aufgegriffen.

    Weihnachten in Japan – ein Fest für Paare

    Primär aber ist Weihnachten in Japan ein Fest für Verliebte oder Paare und gleicht daher eher einem zweiten Valentinstag, als einem besinnlichen Fest. Gerade junge Menschen nutzen den 24. Dezember für ein romantisches Date – oft sind Restaurants und Hotels an diesem Abend daher lange im Voraus ausgebucht.

    Weihnachten ist in Japan vor allem ein Fest für Verliebte.
    Weihnachten ist in Japan vor allem ein Fest für Verliebte. Foto: Manish Prabhune/ JT

    Beliebte Ziele sind die bereits erwähnten Weihnachtsbeleuchtungen oder andere als romantisch angesehene Orte wie beispielsweise Aussichtsplattformen. Mit der Familie dagegen verbringt man Weihnachten gerade als (junge*r) Erwachsene*r in Japan dagegen nur sehr selten. Familienfest in Japan ist nämlich viel mehr Neujahr und so ist und bleibt Weihnachten in Japan eine Möglichkeit, sich mit jemandem zu verabreden oder mit dem Partner oder der Partnerin eine romantische Zeit zu verbringen.

    Generell kann man japanisches Weihnachten durchaus als etwas „kitschig“ bezeichnen. Inmitten von glitzernden Lichtern und amerikanischen Weihnachtsliedern tritt der religiöse christliche Aspekt hierbei zwar in den Hintergrund, allerdings ist die Stimmung für Japaner*innen ideal, um sich in dieser Zeit auf den/ die Liebste*n zu besinnen und gemeinsam eine schöne und vor allem romantische Zeit zu verbringen.

    Essen an Weihnachten in Japan

    Essen genießt in Japan generell einen hohen Stellenwert und vielfach scheint es, als würden manche „Feiertage“ nur dazu kreiert, um zu essen, beziehungsweise für den Handel, um Essen zu verkaufen. Dass das in Japan Wirkung zeigt, sieht man an den typischen Speisen zu Weihnachten, die sich im Laufe der Zeit zu einem richtigen Brauch entwickelt haben:

    Christmas Cake (Weihnachtstorte)

    Traditionell isst man an Weihnachten in Japan eine Weihnachtstorte, den Christmas Cake. Da dieser sehr wenig japanisch erscheint, könnte man vermuten, dies sei ein westlicher Brauch, der wie viele weitere Bräuche aus dem Ausland nach Japan kam. Tatsächlich ist das nur teilweise richtig. Grundstein für die Weihnachtstorten legte der Süßigkeitenhersteller Fujiya. Dessen Begründer eröffnete bereits im Jahre 1910 einen westlich orientierten Süßwarenladen in Motomachi, Yokohama und bereitete dort den ersten Christmas Cake zu.

    Zu Weihnachten gibt es in Japan oft Torte.
    Zu Weihnachten gibt es in Japan oft Torte. Foto: bittle – CC BY-ND 2.0

    Als sich nach Kriegsende in den 1950er Jahren die Menschen in Japan mehr und mehr am Westen orientierten, kam auch das Weihnachtsfest in Mode und die Torten erlebten einen Aufschwung. In der Regel besteht die Torte aus einem hellen Biskuitteig, Schlagsahne und Erdbeeren. Das ist zwar weder weihnachtlich noch japanisch, steht aber wohl vor allem für Japans Aufschwung nach dem Krieg, der teure und damals eher ungewöhnliche Zutaten wie Butter, Milch, Zucker und Erdbeeren nun nicht nur den Reichen, sondern allen Menschen verfügbar machte. Die Farben Rot und Weiß dagegen passen zu Weihnachten nach amerikanischem Vorbild und haben sich seitdem bei typischen Christmas Cakes gehalten.

    Mittlerweile aber gibt es auch andere Sorten, beispielsweise mit Schokolade oder – sehr japanisch angehaucht – mit Matcha. Den Motiven sind auch keine Grenzen mehr gesetzt und so gibt es nicht nur klassische Verzierungen, sondern es werden auch themenbasierte Torten produziert, beispielsweise mit Motiven aus Anime und Manga Serien.

    Die meisten Japaner*innen backen ihre Weihnachtstorte nicht selbst, sondern kaufen sie in einer Konditorei oder im Supermarkt. Tatsächlich bieten viele japanische Supermärkte und sogar die Convenience Stores bereits Monate vorher Torten zum Bestellen an, sodass sie pünktlich zu Weihnachten geliefert werden. Wer nicht rechtzeitig vorbestellt, der findet sich sonst nämlich an Weihnachten schnell in einer langen Schlange wieder.

    Frittiertes Hühnchen (KFC)

    Eine weitere und auf den ersten Blick seltsam anmutende Weihnachtstradition in Japan ist das Verspeisen von frittiertem Hühnchen: besonders in der amerikanischen Fast-Food-Kette Kentucky Fried Chicken. Angeblich entstand diese Tradition in den 1970er Jahren, als sich eine Gruppe von ausländischen Bewohner*innen auf die Suche nach Truthahn machte. Dieser ist in Japan kaum zu bekommen und so endete die Gruppe angeblich bei KFC, um als Ersatz für den Weihnachts-Truthahn dort Hühnchen zu essen.

    KFC bietet zu Weihnachten spezielle Menüs an.
    KFC bietet zu Weihnachten spezielle Menüs an. Foto: Kim/ JT

    In jedem Fall startete die Kette eine groß angelegt Marketing Aktion, bei der sie Kentucky als Essen zu Weihnachten promotete. Die Kampagne zeigte Wirkung, wohl auch, weil amerikanisches Fastfood zu der Zeit noch neu war und damit im Trend lag. Heute bietet KFC ganze Weihnachtsmenüs an, die nicht nur frittiertes Huhn enthalten, sondern auch Salat und Torte. Sie sind besonders bei jungen Japaner*innen und Familien beliebt, besonders in den großen Städten. Oftmals muss man die Menüs ebenfalls lange vor Weihnachten vorbestellen, dennoch sieht man an Weihnachten in Japan oft lange Schlangen vor den KFC Filialen.

    Allerdings verkaufen auch die Supermärkte zu Weihnachten besonders viele frittierte Hühnerteile und gerade Familien bereiten das Huhn auch oft selbst zu.

    Zu den Kindern kommt Santa

    Auch wenn Weihnachten in Japan primär ein Fest für Verliebte ist, hat die Idee von Santa, der den Kindern Geschenke bringt, ebenfalls aus den USA ihren Weg hierher gefunden. Das Christkind dagegen findet man hier so gut wie gar nicht, stattdessen ist der in Rot und Weiß gekleidete Weihnachtsmann mit seinem Schlitten eines der gängigen Motive.

    Zwar stellen die wenigsten Familien große (und vor allem echte) Weihnachtsbäume auf, kleinere Varianten aber werden zu diesem Zweck sehr gerne verwendet. Tatsächlich glauben auch viele japanische Kinder bis zu einem gewissen Alter, dass der Weihnachtsmann ihnen die Geschenke bringt, oftmals werden diese Geschichten auch im Englischunterricht gerne behandelt. Es ist üblich, dass die Geschenke nicht an Heiligabend, sondern am Morgen des 25. Dezember übergeben werden oder unter dem Weihnachtsbaum liegen, allerdings nehmen es die Japaner*innen da nicht ganz so genau und oftmals wird das Fest dann auf einen freien Tag, beispielsweise am Wochenende individuell „verschoben“.

    Allgemein nehmen es die Japaner*innen bei Weihnachten nicht ganz so genau und das Fest wird oft einfach als Grund zum Feiern und sich beschenken genutzt. Zudem findet man in den Geschäften jedes Jahr unzählige Kostüme – von Weihnachtsmann Outfits über Rentier-Kostüme bis hin zu „Sexy Santa“ Kleidern ist hier alles vertreten. Viele jüngere Menschen, die an Weihnachten nicht daten, nutzen so die Möglichkeit und verwandeln das Fest kurzerhand in eine Kostümparty.

    Weihnachtsmärkte in Japan

    Obwohl Weihnachten in Japan vor allem nach (US) amerikanischem Vorbild gefeiert wird, sind zu der Zeit auch Weihnachtsmärkte wie man sie aus dem deutschsprachigen Raum kennt sehr beliebt. Gerade in den Metropolen findet man im Winter viele Weihnachtsmärkte, die in der Regel von Ende November bis Ende Dezember stattfinden.

    Weihnachtsmarkt nach deutschem Vorbild in Tokyo.
    Weihnachtsmarkt nach deutschem Vorbild in Tokyo. Mori Building Co., Ltd.

    An den Ständen gibt es meist Punsch oder Glühwein, Weihnachtsgebäck und Stollen. Vielfach findet sich dort auch traditionelles Kunsthandwerk und Adventskränze. Einer der bekanntesten Märkte in Tokyo ist der Weihnachtsmarkt in Roppongi Hills. Er ist dem Weihnachtsmarkt in Stuttgart nachempfunden und bietet ein (fast) heimatliches Weihnachtsambiente. Aber nicht nur in Tokyo, sondern auch in vielen anderen Städten Japans gibt es Weihnachstmärkte, oft werden diese auch mit der lokalen deutschsprachigen Community gemeinsam organisiert.

    Weihnachten in Japan ist definitv anders, als man es beispielsweise aus Deutschland gewohnt ist. Wer glitzernde Lichterfeste und ein eher kitschiges Fest mit vielen ungewöhnlichen Bräuchen erleben möchte, der ist hier definitv richtig.

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