HomeJapan erlebenKulturGoshuincho - Stempelbuch japanischer Tempel und Schreine

    Ein individuelles Andenken aus Japan

    Goshuincho – Stempelbuch japanischer Tempel und Schreine

    Das japanische Goshuincho ist ein Buch, das man an Tempeln und Schreinen in Japan vorlegen kann, um als Andenken einen Stempel zu erhalten.

    Wörtlich übersetzt bedeutet der Name „ehrwürdiges rote Stempel Buch“ und der Besitz eines solchen macht jeden Reisenden zu mehr als einem bloßen Touristen. Denn die Japaner*innen selbst besitzen vielfach ein solches Stempelbuch und nehmen es auf Reisen innerhalb Japans mit, um an verschiedenen Tempeln und Schreinen ein individuelles Andenken zu erhalten.

    Ein Goshuincho voll geöffnet zeigt alle gesammelten Stempel.
    Ein Goshuincho voll geöffnet zeigt alle gesammelten Stempel. Foto: Richard Mulvihill

    Goshuincho – so funktioniert es

    Wenn man das erste Mal einen großen Tempel oder Schrein in Japan besucht, kann man dort ein, je nach Ort unterschiedlich gestaltetes, Goshuincho Buch kaufen. Manchmal werden sogar kleine Workshops angeboten, bei denen man sich sein ganz eigenes Stempelbuch unter fachkundiger Anleitung basteln kann.

    Dieses Buch legt man dann bei einem Tempel oder Schreinbesuch einem der freundlichen Mönche oder Priester*innen am dafür vorgesehen Schalter vor. Diese schreiben dann handschriftlich mit schwarzer Tinte, in traditioneller japanischer Kalligrafie, den Namen des Tempels sowie das Datum des Besuchs, meist zusammen mit einem kleinen Spruch oder Gebet, in das Buch. Zum Abschluss folgt dann der namensgebende große rote Stempel – die Tempel und Schreine haben alle ihr eigenes Motiv – auf die Seite im Stempelbuch.

    Kanji, nach denen man Ausschau halten muss, um einen Stempel zu erhalten: 御 = go, 朱 = shu, 印 = in
    Kanji, nach denen man Ausschau halten muss, um einen Stempel zu erhalten: 御 = go, 朱 = shu, 印 = in Foto: Richard Mulvihill

    Anschließend zahlt oder spendet man einen geringen Geldbetrag (meist um die ¥200-¥500, also etwa 1 bis 3 Euro) und erhält damit ein wunderschönes Andenken. Am nächsten Tempel oder Schrein kauft man dann kein neues Buch, sondern verwendet das Goshuincho solange, bis die letzten Seiten gefüllt sind. Der Mönch des nächsten Tempels platziert sein Kunstwerk einfach auf die nächste freie Seite. Am Ende einer Reise ist man nun im Besitz einer Sammlung einzigartiger Kunstwerke, die dem eigenen Weg durch Japan folgen.

    Jedes Buch wird so zu einem Unikat. Nicht nur, dass die Namen und Daten der bereisten Orte sich unterscheiden, auch jeder Mönch pflegt seinen eigenen Stil. Natürlich trägt auch die Reihenfolge der besuchten Schreine zur Individualität jedes Buches bei. Und das Beste ist, das Buch entfaltet sich wie ein Akkordion, d.h. alle Seiten können gleichzeitig betrachtet werden. Es gibt Menschen, die dies sogar gerahmt an die Wand hängen.

    Geschichte der Goshuin Stempel

    Wenn man einmal damit begonnen hat, das Goshuin Buch auf jede Reise in Japan mitzunehmen, entwickelt man allgemein ein geschultes Auge für die in Japan so typischen Stempel. Man merkt schnell, dass man ihnen überall begegnet: in Bahnhöfen genauso wie an Raststätten, selbst an Orten wie das Gyoza Museum in Tokyo und das Aquarium in Nagoya findet man sie. Stempel und Reisen sind tief verwurzelt in der Geschichte und Kultur Japans.

    Beispiel der wunderschönen Kunst auf einer Seite des Goshuincho.
    Beispiel der wunderschönen Kunst auf einer Seite des Goshuincho. Foto: Richard Mulvihill

    Die Ursprünge finden sich in Japans traditionellen Pilgerreisen zu heiligen Orten und Schreinen. Dies können zum Beispiel heilige Orte in der Natur, wie die Gegenden um die Berge Fuji und Koya, sein oder einzelne frühe Orte der Verehrung, wie der Schrein von Ise. Dies entwickelte sich nach und nach in „Rundreisen“, wie zum Beispiel die „88 heiligen Orte von Shikoku“ und die „33 heiligen Orte von Saigoku“, bei welchen eine Anzahl von Tempeln und Schreinen demselben Thema geweiht sind.

    Schon um das Jahr 750 versuchten die Japaner*innen festzuhalten, welche Tempel sie bereits besucht hatten, und schufen somit wohl die Anfänge des Tempel-Buches. Es wird erzählt, dass damals die Priester die Bücher unterzeichneten, als Nachweis, dass man den Tempel oder Schrein besucht hatte. In ihrer Abwesenheit musste man sich mit dem Stempel begnügen.

    Stempel und Unterschriften wurden mit der Zeit ausgereifter und entwickelten sich zu dem, was wir heute kennen. An einigen der größeren Tempel sollte man nicht überrascht sein, wenn man beim Abgeben des Buches eine Wartenummer erhält. Manchmal herrscht so großer Andrang, dass man sein Buch einfach nach einer Tour beim Verlassen des Tempels oder Schreins wieder abholt.

    Das seltene holzgebundene Buch vom Koyasan.
    Das seltene holzgebundene Buch vom Koyasan. Foto: Richard Mulvihill

    Die großen Tempel und Schreine haben inzwischen auch den Einsatz erhöht, indem sie kunstvoll verzierte und teurere Bücher anbieten. Einige sind auf dem Einband mit hübschen Stickereien des Tempels verziert. Ein Favorit ist das sehr seltene Stempelbuch des Koyasan – bei diesem ist der Einband aus Holz von Bäumen aus dem heiligen Koya Wald, in denen der Tempel liegt.

    Wer bei einem Besuch von Tempeln und Schreinen optimal vorbereitet sein möchte, der findet hier Tipps und Etikette für den Besuch. So steht der Jagt nach den Stempeln und damit einem außergewöhnlichen Andenken an deine Japanreise nichts mehr im Weg.

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