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Auf den Spuren des alten Japans

Gokaido: die 5 historischen Straßen Japans

Die Gokaido sind fünf historische Handelsstraßen, die zur Edo Zeit (1603-1868) entstanden sind und damals zum Reisen sowie für den Transport von Lebensmitteln und Waren genutzt wurden.

Heute sind nur noch einige Teile dieser Routen erhalten, ziehen aber durch ihre Lage in der Natur und historisch erhaltene Städte viele Besucher*innen an. Alle fünf Wege der Gokaido hatten ihren Ausgangspunkt an der Nihonbashi Brücke in Edo (der alte Name für Tokyo) und verbanden die Hauptstadt mit wichtigen Städten auf Honshu.

Geschichte der Gokaido

Die Gokaido (jap.: 五街道) sind alte japanische Reise- und Handelsrouten. Das Wort setzt sich zusammen aus go (五) für „fünf“, und kaido (街道) welches mit „Straße“ oder „Route“ übersetzt werden kann.

Sie haben ihren Ursprung am Anfang der Edo Zeit. Tokugawa Ieyasu (1543-1616) ließ 1601, zwei Jahre bevor er Shogun wurde, den Bau eines großen Straßennetzes verordnen. Dieses sollte den Zweck haben, Edo schnell mit anderen wichtigen Städten der Hauptinsel Honshu zu verbinden sowie die Macht des Tokugawa-Shogunats auszubauen.

Im Jahr 1604 wurde die Nihonbashi-Brücke in Tokyo als offizieller Ausgangspunkt der fünf Handelsrouten bestimmt. In den folgenden Jahrzehnten wurden die Straßen ausgebaut und fertiggestellt.

Die längste und bekannteste Route ist die Tokaido (jap.: 東海道). Diese wurde 1624 fertiggestellt und verbindet Edo (jap.: 江戸) mit den heutigen Metropolen Kyoto (jap.: 京都) und Osaka (jap.: 大阪). Die Straße ist auf der Karte in hellblau eingezeichnet.
Im Jahr 1636 wurde die Nikko Kaido (jap.: 日光街中) fertiggestellt. Diese ist die kürzeste Route, führt nach Nikko (jap.: 日光) im Norden von Edo und ist auf der Karte rosa eingezeichnet.
10 Jahre später eröffnete die Oshu Kaido (jap.: 奥州街道), die ebenfalls nach Norden führte (rote Route).
Ab dem Jahr 1694 konnten Händler und Reisende ebenfalls die Nakasendo (jap.: 中山道) nutzen. Die in Lila eingezeichnete Route führt durch das Landesinnere und geht in Kusatsu (jap.: 草津) in die Tokaido-Route über.
Die letzte Route, die Koshu Kaido (jap.: 甲州街道), wurde erst deutlich später im Jahr 1772 fertiggestellt. Diese Route verband Edo mit der damaligen Provinz Kai (heute die Präfektur Yamanashi), endet auf der Nakasendo-Route und ist auf der Karte in dunkelblauer Farbe eingezeichnet.

Alle Straßen wurden früher genau vermessen und in der Längeneinheit ri angegeben. Ein ri entspricht 3,927 km. Als Orientierung für Reisende wurden kleine Erdhügel an beiden Seiten der Straße nach diesen Abständen aufgeschüttet. Die sogenannten ichiriri tsuka wurden zusätzlich mit Blumen bepflanzt, damit man sie gut erkennen konnte. Heute stehen hier an manchen Stellen Steine, die die alten Wegpunkte kennzeichen.

Auf den Routen der Gokaido gab es außerdem in regelmäßigen Abständen Poststationen, die sogenannten shukuba. Diese waren Kontrollpunkte, die teilweise kleinen Städten ähnelten, da sich dort auch Gasthäuser und Raststätten befanden.

Die Straßen hatten damals eine große Bedeutung und Geschichten über die Reisen finden sich heute in vielen Literaturwerken oder der japanischen Kunst des 19. Jahrhunderts wieder. Die rasche Modernisierung während der Meiji Zeit (1868-1912) sorgte jedoch dafür, dass die Gokaido fast vollständig verschwunden sind. Heute sind viele Hauptstraßen oder auch Eisenbahnlinien den ehemaligen Handelsstraßen nachempfunden. Einige Abschnitte wurden jedoch geschützt und sind heute weiterhin zugänglich. Lokale Behörden und Tourismusverbände arbeiten hart daran, sie so zu erhalten, wie sie zu Edo Zeiten ausgesehen hatten.

Gokaido: die fünf Hauptstraßen der Edo Zeit

Tokaido

Die Tokaido-Route verdank ihrem Namen der Lage. Der „Weg des östlichen Ozeans“ verläuft küstennah am pazifischen Ozean und verband Edo, wo sich damals der Sitz der Shogunal-Regierung befand, mit der Kaiserstadt Kyoto. Entlang der Strecke befanden sich 53 shukuba, unter ihnen der Ausgangspunkt, die Nihonbashi-Brücke in Edo, sowie der Ankunftspunkt, die Sanjobashi-Brücke in Kyoto. Die gesamte Strecke der Tokaido betrug 500 Kilometer und Reisende brauchten damals ca. 2 Wochen für die Strecke.

Heute ist der alte Verlauf der Tokaido Handelsstraße die meistbefahrene Strecke Japans. Sie verbindet Japans Hauptstadt Tokyo mit Nagoya, Kyoto und Osaka. Der Route folgen heute die Meishin- und Tomei-Autobahn. Außerdem wurde hier im Jahr 1964 eine der ersten japanischen Shinkansen-Strecken eröffnet. In Erinnerung an die traditionelle Handelsstraße wurden die auf der Strecke fahrenden Züge Tokaido-Shinkansen genannt.

In der Stadt Hakone befindet sich ein alter Teil der Strecke, der durch einen mit Zedern gesäumten Wanderpfad führt. Die Strecke befindet sich zwischen Moto-Hakone und Hakone-Yumoto und hier befinden sich teilweise noch das originale Steinpflaster aus der Edo Zeit. Im Jahr 2007 wurde die am See Ashi liegende Kontrollstation von damals rekonstruiert. Hakone war die 10. shukuba und die Rekonstruktion kann heute für ¥500 (ca. 4,05 Euro) besucht werden.

Nikko Kaido

Die letzten Kilometer nach Nikko führt der Weg durch diese Sugi-Allee
Die letzten Kilometer nach Nikko führt der Weg durch diese Sugi-Allee (Foto: mrhayata / CC BY-SA 2.0)

Die Nikko Kaido ist die kürzeste der fünf Gokaido. Sie nutzt zunächst die gleiche Route wie die Oshu Kaido, zweigt dann aber in Utsunomiya auf einen Weg, der in der Stadt Nikko endet, ab. Auf der Strecke lagen 21 shukuba.

In Nikko befindet sich die Grabanlage von Tokugawa Ieyasus und seinem Enkel Tokugawa Iemitsu. Fürst Matsudaira Masatsuna, der dem Tokugawa-Shogunat diente, ließ die letzten Kilometer des Weges mit ca. 50.000 Sicheltannen (Sugi) bepflanzen. Heute säumen noch ca. 13.600 Bäume mit einem Durchmesser von mindestens 30 cm die alte Strecke. Diese Allee ist zudem als besonderes Naturdenkmal in Japan ausgewiesen.

Oshu Kaido

Kirschblüten entlang der Oshu Kaido
Kirschblüten entlang der Oshu Kaido (Foto: bluXgraphics / CC BY-SA 2.0)

Oshu Kaido war die Route die von Edo aus in den Norden von Honshu führte. Sie endete in der Provinz Mutsu bzw. Oshu, die das Gebiet der heutigen Präfekturen Fukushima, Miyagi, Iwate und Aomori umfasste. Die letzte der 27 shukuba und zugleich das Ende der Route war die Stadt Shirakawa (jap.: 白河), welche sich heute in Fukushima befindet. Bis Utsunomiya hat sie denselben Verlauf wie die Nikko Kaido.

Heute hat die Route 4 der Landeshauptstraße, die Tokyo mit Aomori verbindet, den gleichen Verlauf wie die damalige Oshu Kaido. Die Strecke des Tohoku-Hokkaido- sowie Akita-Shinkansen verläuft ebenfalls entlang der historischen Handelsroute. In den Städten Gonohe, Sannohe und Asamizu in Aomori befinden sich heute noch gut erhalten Überreste des Weges, die man dort „die alte Straße“ nennt. Dieser Wanderweg entführt Besucher*innen ein Stück weit zurück in die Edo Zeit und man findet entlang des Weges Sehenswürdigkeiten wie den Rastplatz der Kaiser zur Meiji Zeit sowie Aussichten auf die Berge Nakui und Hakkoda und bei guten Wetter sogar auf den Pazifischen Ozean.

Nakasendo

Die Nakasendo Route verband Edo mit Kyoto und führte dabei durch das Landesinnere von Honshu. Entlang der 534 Kilometer langen Route befanden sich 69 shukuba und ab Kasutsu hat sie den gleichen Verlauf wie die Tokaido Route. Die Nakasendo, manchmal auch Kisokaido (jap.: 木曾街道) genannt, war eine sehr gut ausgebaute Route und bei vielen Reisenden, auch aufgrund der malerischen Landschaft, beliebt. Viele berühmte Künstler und Dichter, darunter der Haiku-Autor Matsuo Basho oder der Holzschnittkünstler Hiroshige, fertigten bei ihren Reisen über diese alte Route viele Werke an, die heute sehr berühmt sind.

Heute folgen dem alten Weg der Nakasendo viele Landeshauptstraßen sowie Eisenbahnlinien. Einige Abschnitte sind jedoch in ihrer ursprünglichen Form erhalten. Drei dieser Abschnitten befinden sich in den Präfekturen Nagano und Gifu und ihnen wurde im Jahr 1987 der Status einer nationalen historischen Stätte verliehen.
Die Abschnitt sind die Routen zwischen der 28. Poststation Wada und dem Wada-Pass, die Route zwischen der 30. Poststation Shiojiri und der 34. Poststation Narai sowie der Abschnitt zwischen der 42. Poststation Tsumago und der 43. Poststation Magome.

Einer der bekanntesten Abschnitte liegt im Kiso Tal im südwestlichen Teil der Präfektur Nagano. Der etwa acht Kilometer lange Weg zwischen Magome und Tsumago führt durch Wälder, vorbei an Feldern und kleinen Wasserfällen sowie kleinen Häuseransammlungen, die ihre traditionelle Architektur behalten haben. Insbesondere in den gut erhalten Städten Magome, Tsumago und Narai können Besucher*innen sehen, wie Reisenden der Gokaido vor hunderten von Jahren die Umgebung erlebt haben.

Koshu Kaido

Kusho Kaido: Blick auf den Berg Fuji
Koshu Kaido: Blick auf den Berg Fuji (Foto: Susonauta / CC BY 2.0)

Die Koshu Kaido wurde erst deutlich später als die anderen Handelsrouten fertiggestellt und verband Edo mit der heutigen Präfektur Yamanashi. And der Poststation Shimosuwa geht die Route in die Nakasendo über. Auf der Route befanden sich 44 shukuba.

Auf der damaligen Route befindet sich heute die Landeshauptstraße 20, die Tokyo mit Shiojiri in Nagano verbindet. Die letzte ehemaligen Poststation Shimosuwa und die 44. Poststation Kamisuwa sind heute mit einem Wanderweg verbunden. Der Weg startet am Bahnhof Kamisuwa und endet am Akimiya-Schrein in Shimosuwa. Entlang des Weges können berühmte Orte wie Hashimoto Masaya, ein traditionelles Teehaus im Erscheinungsbild der Edo Zeit, oder Shin Sanbo, die Heimat des Dichters Akahiko Shimaki, bewundert werden.

Wer auf den Spuren des alten Japans unterwegs sein möchte, sollte sich die Überreste der Gokaido nicht entgehen lassen. Besonders in den gut erhalten Städten Magome, Tsumago und Narai der Nakasendo können Besucher*innen sehen, wie Reisende der Handelsrouten zur Edo Zeit die Landschaft erlebt haben.

Fans des alten Japans finden gut erhaltene traditionelle Architektur und den unvergleichbaren Charm beispielsweise auch in diesen fünf traditionelle Vierteln.

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