Alle Regeln und Gesetze im Überblick

    Radfahren in Japan

    Radfahren ist in Japan allgemein sehr beliebt. Damit du dabei sicher und legal unterwegs bist, findest du im Folgenden die wichtigsten Regeln zum Thema Radfahren in Japan.

    Fahrräder sind günstige und vor allem klimafreundliche Verkehrsmittel und bieten viel Abwechslung während eines Japanurlaubes. Zudem kann man ganz entspannt relativ viel entdecken. In Japan werden Fahrräder für viele Zwecke genutzt: um zur Arbeit zu pendeln, Einkaufen zu gehen, die Kinder zum Hort zu bringen oder einfach nur, um sich zu bewegen und die Umgebung zu genießen.

    Radfahren in Japan Strasse
    Gerade in den Nebenstraßen lässt sich sicher Fahrradfahren (Foto: Clay Banks, Unsplash)

    Regeln und Gesetze fürs Radfahren

    Egal ob man Japan als Tourist besucht oder für längere Zeit hier ist, Radfahren ist eine tolle Möglichkeit, das Land zu entdecken. Insbesondere wenn man viel sehen möchte, ist man deutlich schneller als zu Fuß, flexibler und vor allem auch günstiger unterwegs, als wenn man die gesamte Zeit die Bahn nutzt.

    Für alle, die längerfristig in Japan sind, lohnt sich ein eigenes Fahrrad. So kann man ganz einfach Ausflüge unternehmen oder auch Einkäufe nach Hause transportieren. Allerdings muss man vorher prüfen, ob die eigene Unterkunft freie Parkplätze anbietet, denn meist sind diese begrenzt.

    Egal, was du mit deinem Fahrrad vorhast, die folgenden Regeln helfen dir, sicher unterwegs zu sein und zeigen dir, wie die Realität auf Japans Straßen aussieht:

    Fahre auf den vorgesehenen Wegen

    Solange kein Schild besagt, dass das Radfahren auf dem Gehsteig erlaubt ist, sollte man auf der Straße fahren. Viele Straßen haben einen extra Fahrradstreifen, an welchem man sich orientieren kann. Allerdings kann es gerade in großen Städten wie Tokyo durch das Verkehrsaufkommen durchaus ratsam sein, die Gehwege zu benutzen. Wer dort fährt, sollte die Geschwindigkeitsbegrenzung von 10 km/h beachten.

    Da man in Japan gerne einmal kreuz und quer läuft, ist es sowieso ratsam, hier besonders gut aufzupassen. Generell ist das Fahren auf dem Gehsteig nur für Kinder unter 13 Jahren und für Personen über 70 Jahren gestattet, doch es gibt auch extra Bereiche, bei denen man sofort erkennt, ob eine Radspur auf dem Gehweg befahren werden darf.

    Die Realität: Der Großteil der Japaner fährt tatsächlich auf dem Gehsteig, und das teilweise gefährlich schnell und ohne, dass die Klingel benutzt wird. Auch wenn dies nur selten bestraft wird, sollte man sich im Klaren darüber sein, dass man sich und andere gefährdet, wenn man rücksichtslos durch die Fußgängermassen prescht.

    Fahre in Fahrtrichtung und halte dich links

    Egal ob du auf der Straße oder auf gekennzeichneten Radwegen fährst, achte unbedingt darauf, dass du immer in die angegebene Fahrtrichtung fährst. Das mag vielleicht einfach klingen, doch einige halten sich nicht an die Regel, in die Richtung zu fahren, in die der allgemeine Verkehr geht. Was du zudem ebenfalls beachten musst: In Japan herrscht Linksverkehr. Das bedeutet, egal ob du auf der Straße oder auf dem Gehweg fährst: halte dich unbedingt links!

    Im Jahr 2013 wurde aufgrund zahlreicher Unfälle ein neues Gesetz verabschiedet, nach welchem Radfahrer, die gegen die Fahrtrichtung fahren mit bis zu 30 Tagen Gefängnis oder 20.000 Yen Strafe belangt werden.

    Die Realität: Nur sehr selten sieht man Fahrradfahrer, die tatsächlich gegen dieses Gesetz verstoßen, doch es kommt hin und wieder vor und kann sehr schnell gefährlich werden. Die hohen Strafen und vor allem das große Risiko haben jedoch eine abschreckende Wirkung.

    Generell fährt man zudem entspannter, wenn man sich links hält und sich nicht durch Menschenmengen auf dem Gehweg hindurch manövriert. Zudem fällt man mit so einem Verhalten schnell negativ auf.

    Radfahren Schilder
    Es ist wichtig, sich im Vorfeld über die Bedeutung der Schilder zu informieren (Foto: Felix Fuchs, Unsplash)

    Kein Regenschirm oder Handy beim Radfahren

    Was für uns ganz normal ist, muss hier noch einmal gesondert aufgeführt werden: das Halten eines Regenschirms während des Radfahrens ist verboten, egal ob es regnet oder die Sonne scheint. In Japan benutzt man gerade im Hochsommer gerne einen Schirm, um sich vor der starken UV-Strahlung zu schützen.

    Was fürs Autofahren gilt, sollte auch bei der Fahrt mit dem Fahrrad nicht missachtet werden. Handys gehören in die Tasche! Auch sie können schnell gefährlich werden, wenn man sich nicht auf die Strecke vor einem konzentriert.

    Die Realität: Japaner lieben Regenschirme und es ist leider nicht unüblich, dass sich beim Radfahren ein Schirm über den Kopf gehalten wird, zum Schutz vor Sonne oder Regen. Da man so schnell herumeiert und vielleicht sogar jemanden mit dem Schirm schlägt, sollte man dies also auf jeden Fall unterlassen.

    Regenjacken sind zumindest bei Regen eine gute Alternative und auch vor UV-Strahlung kann man sich mit der richtigen Kleidung schützen. Auch hier gibt es viele Möglichkeiten in Japan, z.B. Stoffärmel oder spezielle Hüte, die den gesamten Kopf schützen.

    Manchmal kommt es vor, dass man Fahrradfahrer mit Handy in der Hand sieht, doch dies ist eher die Ausnahme.

    Helm auf beim Radfahren

    Kinder unter 13 Jahren sind verpflichtet, einen Helm beim Fahrradfahren zu tragen. Wer älter ist, muss nicht, empfohlen ist es aber auf jeden Fall.

    Die Realität: Leider ist dies eine Regel, die gerne ignoriert wird und man sieht teilweise sogar Kleinkinder ohne Helm. Bitte nicht nachmachen! Generell trägt man in Japan als Erwachsener nur selten einen Helm. Da Sicherheit an erster Stelle steht, sollte man sich hier aber gründlich überlegen, ob man diesen nicht doch aufsetzen will.

    Licht an und klingeln

    Wenn es dunkel ist, sollte man auf jeden Fall vorne am Fahrrad die Lichter anmachen. Hinten findet man meist gar kein Licht, doch sind dort Reflektoren befestigt. Um Fußgänger oder andere Fahrradfahrer zu warnen, solltest du deine Klingel benutzen.

    Die Realität: Stelle sicher, dass deine Lichter an sind und richtig funktionieren. Wenn dir der Reflektor hinten zu unsicher ist, bringe ruhig noch ein extra Licht an. Wer im Dunkeln ohne Licht fährt, riskiert, von der Polizei angehalten zu werden. In Japan scheint man auch die Klingel nicht gerne zu benutzen, sondern schleicht dann eher langsam hinter Fußgängern hinterher, auch wenn dieses nicht sehr praktisch ist.

    Keine Fahrräder in der Bahn

    Fahrräder sind in Bahnen und im ÖPNV nicht gestattet, außer man kann sie zusammenklappen. Dies ist schon allein der Tatsache geschuldet, dass es einfach nicht genug Platz für die Räder gibt. Auch in den größeren Zügen gibt es keinen extra Bereich für Fahrräder, sodass man z.B. bei Ausflügen in der Nähe vielleicht lieber vor Ort ein Rad zum Radfahren ausleihen kann, um sich den Aufwand zu sparen.

    Die Realität: Aus Rücksicht auf andere Personen und Pendler wird sich an diese Regel sehr streng gehalten. Selbst Klappräder sollten zu den Stoßzeiten nicht in die Bahn mitgenommen werden, da sie immer noch recht viel Platz einnehmen. Zudem sind sie auch relativ schwer, was man vorab bedenken sollte.

    Kein Alkohol beim Radfahren

    Dies ist eine der simpelsten Regel überhaupt: Wer betrunken ist, sollte definitiv nicht mehr Radfahren! Wer betrunken von der Polizei auf dem Fahrrad erwischt wird, kann leicht eine Nacht in der Gefängniszelle verbringen. Wer unter Alkoholeinfluss auf dem Fahrrad auf gefährliche Art und Weise in den Straßenverkehr eingreift, kann bis zu 5 Jahre ins Gefängnis kommen, mit einer Geldstrafe von bis zu 1.000.000 Yen belangt werden oder als Ausländer sogar abgeschoben werden.

    Die Realität: Auch wenn man gelegentlich betrunkene Businessmen auf dem Fahrrad sieht, ist das zum Glück eher die Seltenheit und nicht unbedingt nachahmenswert. In Japan darf man keinerlei Promille im Blut haben, wenn man sich auf sein Rad schwingt.

    Nicht nebeneinander fahren

    Grundsätzlich gilt: Solange kein Schild angibt, dass das Radfahren nebeneinander gestattet ist, ist es verboten.

    Die Realität: Auf Straßen und Gehwegen lassen es der Verkehr, beziehungsweise die Passanten, in der Regel ohnehin nicht zu, dass man nebeneinander fährt. Zur eigenen Sicherheit sollte man das ohnehin nicht tun. Auf breiten und gekennzeichneten Radwegen abseits der Straße dagegen kann man auch nebeneinander fahren, vorausgesetzt, man behindert keine anderen Radfahrer.

    Nur eine Person auf dem Fahrrad

    Bis auf Kinder unter 6 Jahren, welche zudem in speziellen Kindersitzen sitzen und einen Helm tragen müssen, ist es nicht erlaubt, mit mehr als einer Person auf dem Fahrrad zu sitzen. Übrigens findet man in Japan auch öfters gleich mehrere Kinder, wenn die Mutter sowohl hinten als auch vorne eines der Liebsten sitzen hat und ggf. noch ein Baby vor dem Bauch. Hierfür sind dann aber spezielle Räder notwendig, die das Gewicht auch gut halten können.

    Die Realität: Bis auf kleine Kinder, die auf dem Rad ihrer Eltern mitfahren, sieht man in Japan nur ganz selten zwei Personen auf einem Fahrrad. Man sollte dies also generell unterlassen, um nicht in Schwierigkeiten zu geraten.

    Registriere dein Fahrrad

    Wer in Japan ein Fahrrad besitzt, muss dieses registrieren lassen. Beim Kauf im Fahrradgeschäft wird dir gerne bei der Registrierung geholfen und sie erweist sich häufig als nützlich, zum Beispiel, wenn dein Fahrrad gestohlen oder von einem betrunkenen Salaryman „ausgeliehen“ wurde. Wer sein Rad online oder gebraucht gekauft hat, kann es bei einer nahen Polizeistation registrieren lassen. Die Registrierung kostet in der Regel nur 500 Yen.

    Die Realität: Auch wenn Raddiebstahl in Japan nicht sehr häufig vorkommt, solange du dein Fahrrad ordentlich absperrst, ist eine Registrierung sehr empfehlenswert und spart dir gegebenenfalls jede Menge Schwierigkeiten. Denn es kann durchaus vorkommen, dass du beim Radfahren von der Polizei angehalten wirst, um zu prüfen, ob du ein gestohlenes Rad fährst.

    Ist das Rad auf dich registriert, dann ist alles gut. Ist es gar nicht registriert, dann musst du anderweitig beweisen, dass es sich um dein Eigentum handelt. Im schlimmsten Fall ist das Rad auf jemand anderen registriert und du solltest eine gute Erklärung parat haben.

    Wer im Parkverbot sein Fahrrad abstellt und dieses deswegen abgeschleppt wurde, der findet es mit einer Registrierung auch wesentlich leichter wieder. Es hat also nur Vorteile, dein Rad zu registrieren.

    Leihfahrräder

    Eine Fahrradtour im Urlaub ist eine tolle Art, die Gegend ganz entspannt zu erkunden. Dafür musst du dir aber nicht zwangsläufig ein eigenes Rad zulegen oder an einer geführten Radtour teilnehmen. Leihfahrräder findet man in Japan häufig an jeder Ecke:  Verleihgeschäfte und Citybikes, welche man per Anmeldung benutzen kann, gibt es beinahe überall. Radfahren ist eine tolle Möglichkeit, um im Urlaub abzuschalten.

    Fahrräder parken

    Bevor man in Japan sein Fahrrad parkt, sollte man genau schauen, wo man es abstellt. Gerade in Tokyo gibt es sehr häufig Parkverbote für Fahrräder, welche genau ausgewiesen sind. Werden diese missachtet, kann es sein, dass dein Fahrrad abgeschleppt wird und du es später gegen Bezahlung wieder auslösen musst.

    Radfahren in Japan Parken
    Oft kann das Rad auch vor dem Restaurant abgestellt werden (Foto: Clay Banks, Unsplash)

    Für City-Bikes gibt es meistens ausgewiesene Parkmöglichkeiten. Ohnehin gibt es in Japan gerade in der Nähe von Bahnhöfen oder Einkaufszentren viele Angebote für Fahrräder. Viele davon sind gratis für die ersten 2 Stunden und müssen dann bezahlt werden, wenn du dein Rad nach der angegebenen Zeit abholst.

    Es gibt aber auch Parkplätze, wo man gleich ein Ticket lösen muss, entweder für einen kürzeren oder längeren Zeitraum:

    • Für kurze Parkzeiten kannst du meist pro Stunde zahlen, jede angefangene Stunde wird dabei am Ende aufgerundet. Alternativ kannst du auch ein Tagesticket nehmen. Die Parkzeiten sind in der Regel von 5:00 Uhr morgens bis 24:00 Uhr abends.
    • Langzeit-Parkmöglichkeiten sind schwieriger zu finden und sogar oft mit Wartelisten verbunden oder man muss sich generell dafür registrieren lassen und erhält dann einen Sticker für sein Rad (z.B. für den Parkplatz nahe der Station, von der man immer zur Arbeit fährt).

    Die strengen Parkverbote gelten meist nur in den großen Städten, wo zu viele Fahrräder entlang der Gehwege schnell für Chaos sorgen könnten. In ländlicheren Gegenden wird das Parken meist nicht so schwer geahndet.

    Dennoch sollte man in Japan immer Ausschau nach dem „Parkverbot“ Schild (駐輪禁止) halten und sich zudem immer beim Parken Gedanken darüber machen, ob das Fahrrad dabei hinderlich für andere sein könnte.

    Und zuletzt…

    Auch wenn man in Japan immer wieder auffallend regelwidrige Fahrradfahrer sieht, sollte man sich darüber im Klaren sein, dass diese sich und andere gefährden. Zudem sticht man gerade als Nicht-Japaner heraus und sollte daher nicht unbedingt mit negativem Verhalten auffallen. Um sicher und verantwortungvoll mit dem Rad unterwegs zu sein, sollte man sich also an die simplen Regeln halten.

    Hier findest du übrigens ein Dokument mit allen wichtigen Verkehrsregeln auf Englisch, welches von dem japanischen Verkehrssicherheitsverband erstellt wurde.

    Wer sich bei all diesen Regeln dann doch lieber für öffentliche Verkehrsmittel entscheidet, findet hier Tipps zum Fahren mit Bus und Bahn.

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